Datum:
Zeit:
Platz:
26.07.2008
1:14:38
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Ich hatte mir vorgenommen mein Training etwas umzustrukturieren und statt sehr quälender Tempodauerläufe lieber mal den ein oder anderen kleinen Wettkampf mit zu laufen. Dort auch nicht jedesmal die letzte Reserve verheizen für irgendwelche Platzierungs- oder Zeitambitionen, sondern einfach nur mitlaufen und ein paar Dinge in Sachen Tempogestaltung usw. probieren. Nicht zuletzt weil die Motivation eines Wettkampf immer noch höher ist, als wenn man sich allein quält.

So ging es heute Morgen nach Possendorf, ein kleines Örtchen nahe Weimar. Der Wettkampf war wirklich klein…noch nicht mal 50 Leute. Aber zwei doch recht schnelle Leute waren auch mit von der Partie, nicht zuletzt, weil sie gleich um die Ecke wohnten. Man erzählt mir, dass die Strecke sehr anspruchsvoll sein soll. Ich höre: mehrere steile Anstiege…steile Treppe, dann Wiese … dann geht es ja erst richtig los…und erst der letzte Anstieg… Ich bin ja so schon kein Berglauffan, aber das kann ja lustig werden, dachte ich mir.

Der Start war dann schön gemütlich, der Wettkampf doch sehr familiär. Eben genau das Richtige für einen ersten Testlauf. Die ersten drei Kilometer gab es noch eine kleine Gruppe mit den beiden Schnellen und noch ein paar Läufern, die auf der kürzeren 6 km Strecke gestartet waren. Danach machte ich mich dann doch allein auf den Weg, weil mir das Tempo deutlich zu niedrig war. Nach ein paar kleineren Anstiegen, die alle noch nicht der Rede wert waren, ging es erstmal ziemlich bergab. Kaum unten angekommen sah ich schon, was mich da erwartete: die steilen Treppen… Die hatten es wirklich in sich, hoch, viele und steil hinauf ging es…und siehe da, was kam da? Natürlich: die Wiese. Schon völlig fertig von den Treppen, war ich eigentlich stehend k.o. Knapp hinter schnauft der Zweite. Noch während ich die Wiese hinauf schleiche (schneller war es wirklich nicht) fällt mir der dritte Satz wieder ein…“dann geht es erst richtig los…“ Was soll da noch kommen? Noch steiler? Och nö… Aber es gab kein Entrinnen. Steil, voller Wurzeln und Steine bin ich nur noch theoretisch am laufen, eigentlich ist es schnelles gehen. Am Paulinenturm hatte ich es endlich geschafft. Und die erste Wasserstelle war Gold wert, weil es schon sehr heiß ist und der Schweiß bergauf bei mir in Strömen lief. Dann geht es auf dem Bergrücken entlang hinüber zum Karolinenturm. Dem Zweiten hinter mir scheint es auch nicht besser zu gehen, denn er ist nicht mehr zu sehen. Schön im schattigen Wald geht es weiter, immer wieder kleinere Anstiege die für sich genommen nicht schlimm sind, aber nach dem Anstieg und in der Menge doch ihre Spuren hinterlassen. Um den Karolinenturm herum, ich bin völlig allein, habe ich schon Angst, das ich mich verlaufe. Dann geht es endlich bergab. Lange soll es bergab gehen, habe ich gehört und nicht ganz so steil. Und so mache ich dort jede Menge Zeit gut. Ich freue mich schon, dass ich gleich aus dem Wald komme und dann sind es nur noch ein paar Kilometer durchs Ilmtal. Am Ende des Waldes komm ich in ein Dorf gepfiffen, in dem mich die Strecken posten gleich nach links in den nächsten Wald einweisen. Und da kommt es…noch ein Anstieg…und was für einer. Damit es sich auch lohnt ist es ein Südhang auf den die Sonne prasselt. Steigung zwischen 15 und 20% auf über einem Kilometer. Für mich ist das Bergsteigen. Mein schöner Zeitvorsprung ist bis zum Gipfel dahin geschmolzen, ich bin fix und alle und verabschiede mich von einer halbwegs passablen Zeit. Nur noch 3 Kilometer. Die nächsten zwei brauchte ich allein um mich von dem Anstieg zu erholen, erst auf dem letzten Kilometer konnte ich wieder richtig Druck machen.

Kurz vorm Ziel wundere ich mich dann doch, das keiner da steht. Auch in der letzten Kurve sehe ich nur einen Zuschauer, der pfeift als mich sieht. Ein paar vom Orgateam kommen gerannt, mit Kamera bewaffnet, aber irgendwie ein wenig spät…da bin ich schon über die Ziellinie. Geschafft – die Strecke – und vor allem ich.

Später hat man mir erzählt, das man den Sieger erst später erwartet hätte, weil es heute so heiß ist. Dabei fand ich nicht, das ich schnell war –eigentlich langsam, aber es waren ja auch insgesamt knapp 500 Höhenmeter. Aber schön war es. Ich freu mich schon auf den nächsten Lauf.