Datum:
Zeit:
Platz:
09.09.2007
1:09:27
2





Die letzten Tage vor dem Lauf liefen eigentlich nicht so optimal, immer wieder machte mein rechtes Knie Probleme. Es war, als bremst es mich beim Laufen aus, obwohl die Zeiten im Training gestimmt haben. Mit gemischten Gefühlen ging ich in diesen Wettkampf, doch gewillt, die Schmerzen zu ignorieren um eine neue Bestzeit in Angriff zu nehmen.

Vor dem Start:

Etwas hektisch die Anreise, es regnet und dauert länger, wie ich dachte bis wir nun endlich mal in Halle angekommen sind. Geht ja gut los. Dann auch gleich der erste Schock. Noch 20 min bis das Meldebüro schließt und ich habe keine Ahnung, wo es eigentlich ist. Ich dachte, das es in der Nähe des Start-Ziel-Bereichs ist, aber weit gefehlt. Ein Läufer erklärt mir den Weg – mit dem Hinweis, das es 1 bis 2 km sind. Da hilft nur eine flexible Lösung. Klamotten abstellen und den Weg gleich zum einlaufen nutzen. Ein Glück, das meine Frau mit ist! Nach ein paar lockeren Metern laufen komme ich doch noch zum Meldebüro und wenige Minuten später steht dem Start nichts mehr im Weg.

Start:

Heute habe ich es nicht bis in die erste Reihe geschafft. Aber ich stehe hinter Falk Cierpinski, der wird schnell weg sein – und ich hinten dran. Es hat wieder leichter Nieselregen eingesetzt und der Start verzögert sich etwas. Da ist auch nicht schlimm ein wenig „mittendrin“ zu stehen, so kühle ich nicht so schnell. Mit dem Schuss geht auch die Hektik gleich los, mit Ellenbogen bahnt sich die ganze Meute ihren Weg. Ich halte mich dicht hinter Falk und versuche zu entkommen. Nach ein paar hundert Metern hat sich das Feld dann auch schon gelichtet. Ich hänge an der Spitze und hinter mir eine kleine Gruppe. Es kommt wieder Ruhe in den Lauf – der Wettkampf hat begonnen…

…irgendwo auf den ersten Kilometern…

Ein Schild habe ich noch nicht entdeckt, es sind aber schon über 8 Minuten vergangen. Ich fühl mich eigentlich ganz locker und bin noch nicht am Maximum, obwohl ich noch in der Spitzengruppe „mitschwimme“. Der Wind macht uns auf diesem Teilstück ganz schön zu schaffen. Jeder versucht sich so gut es geht hinter den anderen zu verstecken, wodurch aber das Tempo verschleppt wird.

km 4:

13:15 min. Eigentlich in Ordnung, auch wenn es mir ein paar Sekunden zu langsam ist, so ist es doch nicht so langsam, wie ich befürchtet hatte. Ich fühl mich immer noch wunderbar locker, auch wenn keiner so richtig eine dauerhafte Temposteigerung mitgeht und allein das Tempo zu halten schwierig ist.

km 5:

Oh Mann, ich Anfänger! Statt bei km 4 auf „Lap“ zu drücken um die Kilometerzeiten zu bekommen, drückte ich auf „Stopp“. Aber der Führungsradfahrer ruft immer die Zwischenzeiten durch. Wir sind zwar zu viert, aber so richtig auf die Tempotube will keiner drücken…gibt es hier viel Geld für den ersten Platz, das die alle taktisch laufen.

km 8:

Da waren es nur noch 2. Falk und ich. Er macht einen verdammt lockeren Eindruck. Mir geht es zwar nicht schlecht, aber er spielt seine Spielchen, zieht immer wieder leicht das Tempo an, lässt mich wieder heran laufen. Ich kann nur hoffen, das ich kurz vorm Ziel noch dran bin, dann habe ich eine Chance.

km 10:

33:07 min. Die Prognose lautet also knapp 1:10:00 h als Endzeit, wenn sich nicht bald etwas tut. Ich ziehe jetzt das Tempo leicht höher. Falk lässt sich nicht lange bitten und geht mit. Wir laufen jetzt seit einiger Zeit im Park, meinen Beinen geht es gut – vor allem mein Knie ist ruhig. Aber so richtig komme ich aus diesem Trott der 3:20/km nicht raus. Seltsam.

km 14:

Spitzkehre und weg isser… Ich glaub es hackt. Falk zieht einen Zwischenspurt an, den ich nicht mitgehen kann. Dafür sind meine Muskeln schon zu steif. In ein paar Sekunden hat er sich 70 Meter Vorsprung gelaufen und diesmal sieht es nicht so aus, als würde er nur Spaß machen. Ich kann jetzt nur noch hoffen, das er einknickt und mich langsam wieder ran laufen.

km 15:

Die Kilometerzeiten passen. Es geht unter 1:10 h, aber der Abstand zu Falk wird einfach nicht kleiner. Ein kurzer, aber fieser Anstieg nimmt mir erstmal die Luft. Hoffentlich erhole ich mich davon wieder.

km 18:

Letzter km in 2:40 sagt die Uhr…ja klar. Wer hat denn das Schild aufgestellt? Also echt mal! 18 Sekunden Rückstand auf Falk, sagt mir ein Radfahrer. Das wird hart, aber ich bin noch nicht am Ende. Ich befürchte Falk aber auch nicht.

…irgendwo auf den letzten Kilometern…

Wie weit denn noch? Ich kenne diesen Teil der Strecke, es ist nicht mehr weit. Vorsorglich ziehe ich mal das Tempo noch ein bisschen an. Die Jagd auf Falk ist mittlerweile aussichtslos. Ich sehe ihn zwar noch, aber in unverändertem Abstand. Jetzt geht es nur noch um meine Zeit und darum die letzten paar Sekunden heraus zu quetschen.

Ziel:

Kleiner Spurt – nur noch gegen die Uhr. Im Ziel bin ich mal zu Abwechslung nicht kurz vorm zusammen brechen – eigentlich ärgerlich. Da wäre noch mehr drin gewesen, denke ich mir. So ist es aber auch gut. Es ist ein guter Hinweis auf eine realistische Marathonzeit für München.

Insgesamt geht es mir nach dem Lauf besser als meiner Frau. Sie hat sehr gefroren in dem Wind und Nieselregen. Ich bin am überlegen, ob ich heute Abend noch eine kleine Runde laufen gehe. Keine Erschöpfung, Verspannung oder Muskelkater… Am meisten wundert mich aber mein Knie – es jammert mal, dann wieder nicht. Na ja, das soll erstmal bisschen Ruhe bekommen, weil es heute so gut mitgespielt hat. Ich freu mich auf den nächsten Wettkampf.